Auf ein Wort

Im April sind Men­schen un­se­rer Ge­mein­de vier Ta­ge auf dem neu er­öff­ne­ten Lu­ther­weg ge­pil­gert. Er führ­te uns von Worms bis in die Gren­ze des Frank­fur­ter Stadt­walds. Bis zum Über­gang über den Rhein fehl­te jeg­li­che Weg­mar­kie­rung und wir muss­ten uns mit Kar­te und Weg­be­schrei­bung durch­schla­gen. Nach­dem wir an der Op­pen­hei­mer Fäh­re über­ge­setzt sind, lief dann al­les wie von sel­ber. Ei­ne gu­te Mar­kie­rung zeig­te uns den Weg. Ein grü­nes L auf wei­ßen Grund gab Ori­en­tie­rung. Wir konn­ten uns schier nicht mehr ver­lau­fen.

Mar­tin Lu­ther hät­te sich be­stimmt des­sen ver­wehrt, dass sein Na­me ei­nen Weg wei­sen soll. Er hät­te von sich weg ver­wie­sen auf den, von dem die Bi­bel sagt, dass er der Weg, die Wahr­heit und das Le­ben ist, und dass wir auf sei­nen Spu­ren wan­deln sol­len, ihn ent­de­cken müss­ten.

Und doch pil­gern Tau­sen­de von Men­schen die­ses Jahr nicht nur nach Ei­se­nach, wo Lu­ther auf der Wart­bug ver­bor­gen die Bi­bel ins Deut­sche über­setz­te, son­dern auch nach Wit­ten­berg, be­su­chen die Schlo­ß­kir­che, an des­sen Tür er der Le­gen­de nach sei­ne 95 The­sen na­gel­te, und vor al­lem die Welt­aus­stel­lung zur Re­for­ma­ti­on.

Man muss es schlie­ß­lich fei­ern und be­ge­hen, dass es Men­schen gibt, die im­mer wie­der Be­ste­hen­des in Fra­ge stel­len, die nach den Wur­zeln des­sen su­chen, was trägt, und nach dem, was der Glau­be zu den Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Zeit sa­gen muss.

Für mich hei­ßt Re­for­ma­ti­on fei­ern des­halb die­ses: sich im­mer wie­der dar­auf zu be­sin­nen und zu ent­de­cken, was die fro­he Bot­schaft, was das Le­ben Je­su, wie es die Bi­bel über­lie­fert, in un­se­rer heu­ti­gen Zeit zu sa­gen hat und dann für das als rich­tig Er­kann­te ein­zu­ste­hen, so wie Mar­tin Lu­ther es ge­tan hat: „hier ste­he ich und kann nicht an­der­s“.

Ach ja, man­chen mag für die­se Be­sin­nung Pil­gern auf dem Lu­ther­weg be­hilf­lich sein – und auch wir Hei­lands­ge­meind­ler wer­den nächs­tes Jahr wei­ter­lau­fen – denn wir wis­sen ja, dass der hin­ter dem grü­nen L uns auf Chris­tus ver­weist und Gott es ist, der uns be­schen­ken will auf al­len Le­bens­we­gen - mit ei­nem L als Mar­kie­rung oder oh­ne!

Ge­seg­ne­te Spät­som­mer- und Herbst­ta­ge,

Ihr Pfarrer
Andreas Günther


Autor
Bild: Person/Author
Bettina Friehmelt

Vor 500 Jah­ren hat Mar­tin Lu­ther sei­ne The­sen an die Kir­chen­tür der Wit­ten­ber­ger Schloss­kir­che ge­na­gelt, so wird be­rich­tet. Kaum ei­ne Jah­res­lo­sung könn­te im Ju­bi­lä­ums­jahr pas­sen­der sein: „Ich schen­ke euch ein neu­es Herz und le­ge ei­nen neu­en Geist in euch.“(Ez 36,26).


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