Auf ein Wort

Die Som­mer­wo­chen lie­gen hin­ter uns, Wo­chen, in de­nen es kei­nen Trop­fen reg­ne­te und die Hit­ze über dem Asphalt flirr­te. Die Frei­bä­der wa­ren so voll wie noch nie, die Eis­ca­fés mach­ten Spit­zen­um­sät­ze, Som­mer­fe­ri­en­gefüh­le trotz al­ler an­stren­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren. Und gleich­zei­tig: Wald­brän­de in Schwe­den, ver­dorr­te Gär­ten, ge­rin­ge­re Ern­te, Mil­lio­nen­ein­bu­ßen bei den Land­wir­ten, und die Win­zer müs­sen sich krumm - le­gen für ei­nen gu­ten Wein. Vor­bo­ten des Kli­ma­wan­dels?! Wenn wir nun so lang­sam im Herbst an­kom­men, be­ginnt nicht nur jah­res­zeit­lich et­was Neu­es. Nach den Som­mer­mo­na­ten, in de­nen vie­le ver­rei­sen, neue Län­der ent­de­cken oder auch in hei­mat­li­chen Ge­fil­den Span­nen­des fin­den, in de­nen die Zeit ein biss­chen still zu ste­hen scheint, kehrt nun der All­tag zu­rück. Die Schu­le hat längst wie­der Fahrt auf­ge­nom­men, die ers­ten Klas­sen­ar­bei­ten ste­hen an, nun läuft es wie­der, das Le­ben. Auch in der Kir­che be­ginnt nun die dich­te Zeit: En­de Sep­tem­ber fei­ern wir Ern­te­dank, wir ent­de­cken, wo­für wir dank­bar sein kön­nen im Le­ben, was uns nährt, wo­von wir satt wer­den und den­ken aber auch an die, die Hun­ger lei­den, an die Bau­ern, de­ren Ern­ten durch die Hit­ze ge­schmä­lert wur­den. Wie das Wet­ter uns gleich­zei­tig froh und be­sorgt ma­chen kann, so ist auch das Le­ben: Man­ches, was uns gut tut, ist für an­de­re kaum aus­halt­bar. Im No­vem­ber dann wird die­se Zwie­späl­tig­keit des Le­bens be­son­ders spür­bar: In den Lä­den gibt es schon Leb­ku­chen, Vor­freu­de auf Ad­vent und Weih­nach­ten und gleich­zei­tig den­ken wir an die Op­fer des Krie­ges und der Ge­walt in un­se­rer Welt, wir be­sin­nen uns auf das, was in un­se­rem Le­ben nicht gut ge­lau­fen ist, wo wir Feh­ler ge­macht ha­ben und wir ge­den­ken un­se­rer To­ten am Ewig­keits­sonn­tag, zün­den für je­den Ver­stor­be­nen in un­se­rer Kir­chen­ge­mein­de ein Licht an und nen­nen des­sen Na­men.
Dan­ken und ge­den­ken - zwi­schen die­sen bei­den Aus­drucks­for­men mensch­li­chen Da­seins be­we­gen wir uns. Gut, dass wir das mit­ein­an­der tun kön­nen. In Got­tes­diens­ten, bei Kon­zer­ten, im Frie­dens­ge­bet, in Ge­sprä­chen an der Kir­chen­tür oder auf dem Lein­pfad, bei Be­su­chen und an der Kas­se bei Rewe. Gut, dass wir da­bei nicht al­lein sind, son­dern dass Gott mit uns geht. Denn das ver­spricht er uns: „Denn Es sol­len wohl Ber­ge wei­chen und Hü­gel hin­fal­len, aber mei­ne Gna­de soll nicht von dir wei­chen, und der Bund mei­nes Frie­dens soll nicht hin­fal­len, spricht der HERR, dein Er­bar­mer.“ (Je­sa­ja 54)
In die­sem Sin­ne: ei­ne ge­seg­ne­te Herbst­zeit, voll Dank und Ge­den­ken,
wünscht Ih­nen Ih­re Pfar­re­rin …

Pfrn. Friehmelt

Autor
Bild: Person/Author
Bettina Friehmelt

Vor 500 Jah­ren hat Mar­tin Lu­ther sei­ne The­sen an die Kir­chen­tür der Wit­ten­ber­ger Schloss­kir­che ge­na­gelt, so wird be­rich­tet. Kaum ei­ne Jah­res­lo­sung könn­te im Ju­bi­lä­ums­jahr pas­sen­der sein: „Ich schen­ke euch ein neu­es Herz und le­ge ei­nen neu­en Geist in euch.“(Ez 36,26).


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