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Juli-Gedanken 2024

Du sollst dich nicht der Mehrheit anschließen, wenn sie im Unrecht ist.
(aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 23)

Bild: Kirche

02.07.2024

Ihr Lieben,

der Satz für den Ju­li klingt wie aus ei­nem De­mo­kra­tie-Lehr­buch. Da­bei stammt er aus der Bi­bel, aus dem re­la­ti­ven An­fang. Die Is­rae­li­ten wa­ren ge­ra­de auf ih­rer Wüs­ten­wan­de­rung am Berg Si­nai an­ge­kom­men und dort hat­ten sie die 10 Ge­bo­te er­hal­ten. Und da­zu noch vie­le an­de­re Re­geln, die das Zu­sam­men­le­ben sinn­voll ge­stal­ten soll­ten. Un­ter an­de­rem die­ses: Du sollst dich nicht der Mehr­heit an­schlie­ßen, wenn sie im Un­recht ist. Wie ge­sagt, klingt wie aus ei­nem mo­der­nen De­mo­kra­tie-Lehr­buch für Erst­wäh­ler:in­nen: prü­fe, was die wol­len, die du wählst. Und wäh­le nicht nur ein­fach die, von de­nen du glaubst, sie sei­en mehr, ob­wohl sie (mehr oder we­ni­ger au­gen­schein­lich) im Un­recht ist. Ein Rat, den man ja wirk­lich be­den­ken soll­te. Wie ent­schei­dest du, wer dich po­li­tisch ver­tritt? Wel­cher Grup­pe schlie­ßt du dich an? Und gleich­zei­tig spü­re ich ein Un­be­ha­gen. Denn wir se­hen in un­se­rem Land und auf der gan­zen Welt, dass De­mo­kra­tie durch Ver­fas­sungs­fein­de und Fa­schis­ten ge­nau so zer­stört wird: dass man sagt, die Mehr­heit sei doch im Un­recht. Oder auch: wir sind laut(er), da­her sind wir im Recht. Es muss doch noch ein an­de­rer Leit­fa­den gel­ten ne­ben die­sem Satz, der auf den ers­ten Blick of­fen­sicht­lich und rich­tig er­scheint, aber eben auch von Fal­schen be­nutzt wer­den kann. Was al­so kön­nen wir als Leit­wort da­ne­ben le­gen, um zu ent­schei­den, wel­che Mehr­heit im Un­recht ist?!

Lu­ther über­setzt: „Du sollst der Men­ge nicht auf dem Weg zum Bö­sen fol­gen“ und so be­kommt der Satz aus dem 2. Buch Mo­se schon ei­nen et­was an­de­ren dri­ve. Statt Wahl­ka­bi­ne und Wäh­ler­stim­me den­ke ich nun an Mas­sen, die Bö­ses tun, ha­be an­de­re Bil­der im Kopf: hass­er­füll­te Ge­sich­ter, ge­ball­te Fäus­te, ver­zerr­te Mün­der, die Hass­pa­ro­len ru­fen, aber auch ge­schnie­gel­te Per­so­nen, die über Op­fer la­chen, die sich lus­tig ma­chen im In­ter­net, mehr oder we­ni­ger sub­til mit Wor­ten (und im schlimms­ten Fall ir­gend­wann auch mit Ge­set­zen) ge­walt­tä­tig sind. Fol­ge ih­nen nicht. Lauf nicht hin­ter­her, steh nicht grin­send da­bei, wenn Bö­ses ge­schieht. Son­dern geh da­hin, wo Gu­tes ge­schieht. Wo Men­schen für­ein­an­der ein­ste­hen, re­spekt­voll, wo Wür­de nicht mit Fü­ßen ge­tre­ten wird und Hän­de nicht zum Schla­gen ge­nutzt wer­den.

In den Ka­pi­teln rund um die 10 Ge­bo­te sind vie­le Sät­ze auf­ge­schrie­ben, die dem Le­ben die­nen. Ne­ben dem Mo­nats­spruch für Ju­li steht da auch: Du sollst kein fal­sches Ge­rücht ver­brei­ten. Oder: Ei­nen Fremd­ling sollst du nicht be­drän­gen. All die­se vie­len Ge­bo­te hat Je­sus viel spä­ter in ei­nem ein­zi­gen zu­sam­men­ge­fasst. Er sag­te ein­mal: „Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, lie­ben von gan­zem Her­zen, von gan­zer See­le und von gan­zem Ge­müt. Dies ist das höchs­te und ers­te Ge­bot. Das an­de­re aber ist dem gleich: Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst. In die­sen bei­den Ge­bo­ten hängt das gan­ze Ge­setz und die Pro­phe­ten.“ (Mat­thä­us 22,37-40).

Das könn­te doch Richt­schnur sein für un­ser Tun: Gott lie­ben aus gan­zem Her­zen und den Nächs­ten und dich selbst. Wenn wir Gott lie­ben, lie­ben wir auch un­se­re Mit­men­schen, denn sie sind Kin­der Got­tes. Und wir wer­den nicht de­nen nach­lau­fen, die ih­nen et­was Ar­ges tun wol­len. Wir wer­den uns da­für ein­set­zen, dass al­le Men­schen le­ben kön­nen. Si­cher und frei. Mit ge­rech­ter Ge­richts­bar­keit (so­weit es uns Men­schen mög­lich ist) und wir wer­den al­le Men­schen als uns gleich an­se­hen: in Wür­de ge­bo­ren, als Got­tes ge­lieb­te Kin­der. So wie du und ich. Mö­gen uns Je­su Wor­te im­mer wie­der un­ser Le­bens­leit­mo­tiv sein und wer­den. Das wün­sche ich uns. Im Ju­li und im­mer.





 


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